Unternehmerperspektiven 2026
, Infrastruktur-Studie: Wege zum Wachstum

Niedax-CEO Bruno Reufels beleuchtet die Erkenntnisse der Studie und gibt Einblicke in Strategien zur Digitalisierung, nachhaltigem Wachstum und globaler Wettbewerbsfähigkeit.

Die Unternehmerperspektiven beleuchten die akuten Themen, die den Wirtschaftsstandort Deutschland und dessen Infrastruktur prägen: Bürokratische Hürden, schleppende Digitalisierung und die Frage, wie der Infrastruktur-Ausbau zur nachhaltigen Entwicklung und Resilienz beitragen kann. Als langjähriger Kunde der Commerzbank teilt Bruno Reufels, CEO der Niedax Group, seine Perspektiven zu diesen Themen. Mit einem klaren Blick auf die Ergebnisse der Studie und einem praxisorientierten Ansatz gibt er spannende Einblicke, wie die Niedax Group sich diesen Herausforderungen stellt und welche strategischen Weichenstellungen für die Zukunft entscheidend sind.

Das Bild zeigt Bruno Reufels, CEO der Niedax Group
Bruno Reufels, CEO Niedax Group

Die Ergebnisse der Unternehmerperspektiven-Studie der Commerzbank zeigen, dass viele Unternehmen die aktuellen bürokratischen Hürden und schleppende Digitalisierung als große Wachstumshürden sehen. Was sind aus Ihrer Erfahrung die größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten in Deutschland, und wie begegnet die Niedax Group diesen?

Bruno Reufels, CEO Niedax Group: Eine Vereinfachung der bürokratischen Prozesse würde für den gesamten Mittelstand und damit auch für Niedax eine Erleichterung für und eine Beschleunigung der täglichen Arbeit bedeuten. Aber wir sind bei der Niedax Group schon immer gut damit gefahren, uns nicht zu beklagen, sondern das Heft des Handelns in die eigenen Hände zu nehmen.

Konkret haben wir im Februar 2026 einen neuen Technologie-Campus eröffnet. Im dort angesiedelten Experience Center „Synnoscape“ arbeiten wir als Schirmherrin gemeinsam mit erfahrenen Partnern, die in ihren Fachbereichen eine führende Position innehaben, an Infrastrukturprojekten der Zukunft – mit Fokus auf Datenzentren und dem Glasfasernetzausbau entlang von 33.000 Kilometern Bahnschiene. Dieses langfristig angelegte Infrastrukturprojekt wird übrigens vollständig privat mit zehn Milliarden Euro finanziert.

Für solche großen Infrastrukturprojekte ist eine enge und verlässliche Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung unabdingbar. In den vergangenen Monaten habe ich dazu viele intensive Gespräche mit Ministerien, Staatssekretären und weiteren Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft geführt. Das Verständnis für diese Projekt-Dimensionen ist heute deutlich größer und wir erhalten aktuell positive Rückmeldungen und Unterstützung auf Bundes- und Landesebene.

Die Studie hebt hervor, dass Unternehmen zunehmend proaktive Maßnahmen ergreifen, um sich auf künftige Herausforderungen und Krisen vorzubereiten. Welche Ansätze und Strategien würden Sie anderen Unternehmen empfehlen, um Innovation und Resilienz in Infrastrukturprojekten zu stärken?

Bruno Reufels: Um neue Marktanteile zu gewinnen, muss man investieren. Wir arbeiten nicht mit einem unkalkulierbaren finanziellen Risiko, sondern strategisch mit Bedacht und Weitsicht. Unser bisheriges Wachstum wurde hauptsächlich aus Eigenmitteln und außerdem aus Bankverbindungen finanziert.

Dazu gehören auch Akquisitionen, für die es Mut braucht, auch wenn die daraus resultierenden Integrationsprozesse zusätzliche Ressourcen benötigen. Wir sind dabei oft antizyklisch vorgegangen, die größten Akquisitionen haben wir während der Finanzkrise und auch in der Coronakrise getätigt. Ich bin ein großer Unterstützer der Globalisierung: Man muss internationalisieren, nur vom deutschen Markt allein kann man als international aufgestellte Unternehmensgruppe nicht leben. Zwei Beispiele: Nach dem Brexit haben wir einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in Großbritannien investiert. Heute liegt unser Umsatz dort im dreistelligen Millionenbereich. Außerdem profitieren wir von unseren 25 Produktionsstätten weltweit. Die Produktion vor Ort für die jeweiligen Regionen macht uns auch für multinationale Unternehmen interessant.

Im Fall der Niedax Group gibt uns der wirtschaftliche Erfolg recht: 2021 lag der Außenumsatz der Unternehmensgruppe noch bei 550 Mio. EUR – 2024 sind haben wir erstmals eine Milliarde Euro erreicht, die wir im vergangenen Jahr bestätigen konnten.

Die Digitalisierung und die Modernisierung der Energieinfrastruktur werden von vielen Unternehmen als zentraler Investitionsbereich eingeschätzt. Welche Schwerpunkte sollten dabei nach Ihrer Meinung gesetzt werden, um langfristiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern?

Bruno Reufels: Investitionen in den Energiesektor im eigenen Land sind definitiv ein wichtiger Baustein, um die Industrie flächendeckend und unabhängig zu versorgen. Vor diesem Hintergrund sehe ich insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien noch großes Entwicklungspotenzial. Aber unabhängig von der jeweiligen Energieform bieten wir bei der Niedax Group maßgeschneiderte Elektroinstallationslösungen an und tragen so zum Ausbau der Energieinfrastruktur bei.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Forschung bei der Entwicklung zukunftsfähiger Infrastrukturlösungen?

Bruno Reufels: Wie bereits erwähnt, müssen im Hinblick auf große Infrastrukturprojekte alle genannten Bereiche eng und lösungsorientiert zusammenarbeiten. Mit passenden politischen Rahmenbedingungen im Rücken kann ich andere Unternehmen aus eigener Erfahrung nur dazu auffordern, mutig zu sein und mit den notwendigen Investitionen ihren Beitrag zur Modernisierung und Digitalisierung der Infrastruktur in Deutschland zu leisten. Dazu brauchen wir hierzulande auch nötige Investitionen in die Forschung, um bei den relevanten technologischen Innovationen systematisch aufgestellt zu sein. Das hat Deutschland in der Vergangenheit ausgemacht und ich bin optimistisch, dass wir mit Geduld und Disziplin auch wieder diesen Status erreichen können.

Sie betreiben Großprojekte wie den Ausbau eines resilienten Glasfasernetzes und die Entwicklung neuer Datenzentren. Welche infrastrukturellen Prioritäten sollte Deutschland aus Ihrer Sicht setzen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben?

Bruno Reufels: Nicht erst aufgrund der aktuellen geopolitischen Entwicklungen bin ich davon überzeugt, dass wir in Deutschland für eine erfolgreiche Wettbewerbsfähigkeit die notwendige digitale Infrastruktur brauchen – beispielsweise in Form eines hochleistungsfähigen und resilienten Backbone-Glasfasernetzes. Meiner Meinung nach hat die aktuelle Bundesregierung mit dem gerade verabschiedeten KRITIS-Dachgesetz, welches bundeseinheitliche und sektorübergreifende Mindeststandards für den Schutz kritischer Infrastrukturen festlegt, einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

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