Commerzbank Rohstoffradar

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Fokusrohstoff Rohöl
, Ölmarkt im Bann des Irankriegs: Energiepreise deutlich gestiegen

Der Irankrieg hat die Energiepreise in die Höhe schießen lassen. Ein Barrel Brentöl kostete in der Spitze fast 120 USD und, damit doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Die Preise für Gasöl/Diesel und Kerosin legten sogar noch stärker zu. Hintergrund ist die faktische Sperrung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr. Durch das kritische Nadelöhr für den weltweiten Ölhandel fließen üblicherweise rund 20 Prozent der weltweit produzierten Mengen von Rohöl und Ölprodukten. Da die Exporte über den Seeweg weitgehend lahmgelegt wurden und die Lagerkapazitäten vor Ort ausgeschöpft sind, mussten die Produzentenländer in der Golfregion ihre Ölproduktion drosseln. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt die daraus resultierenden Produktionsausfälle auf bis zu 10 Mio. Barrel täglich.

Produktionsausfälle und Schäden an Energieanlagen verschärfen die Lage


Ein Teil der Ölexporte kann über eine Pipeline in Saudi-Arabien zum Roten Meer oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Golf von Oman umgeleitet werden. Die dafür zur Verfügung stehenden ungenutzten Pipelinekapazitäten dürften in der Summe aber nicht mehr als 5 Mio. Barrel pro Tag ausmachen. Zudem wurden Energieanlagen, darunter Exportterminals und Raffinerien in der Golfregion, von iranischen Angriffen beschädigt, wodurch nachhaltige Schäden bei Verarbeitung und Verladung drohen. Besonders stark stiegen die Preise für Mitteldestillate, Gasöl/Diesel und Kerosin, da der Mittlere Osten eine hohe Bedeutung für den Export dieser Ölprodukte hat und China aufgrund des verringerten Bezugs von Rohöl aus dem Mittleren Osten den Export von Ölprodukten eingestellt hat. Laut Angaben der IEA beliefen sich die Exporte von raffinierten Ölprodukten aus der Golfregion im letzten Jahr auf 3,3 Mio. Barrel pro Tag. Ein Drittel davon entfiel auf Mitteldestillate (Gasöl/Diesel, Kerosin). Ein beträchtlicher Teil der Lieferungen ging nach Europa. Laut IEA importierten die europäischen OECD-Länder im letzten Jahr täglich rund 330 Tsd. Barrel Diesel und 280 Tsd. Barrel Kerosin aus den Ländern im Mittleren Osten.

Brentölpreis in USD je Barrel

Reaktion der Industrieländer: Rekord-Freigabe von Notfallreserven

Die in der IEA zusammengeschlossenen Industrieländer wollen mit einer beispiellosen Freigabe von mehr als 400 Mio. Barrel Öl aus den Notfallreserven den Markt beruhigen. Diese würde damit deutlich größer ausfallen als vor vier Jahren nach Beginn des Ukraine-Krieges. Die Knappheit bei Ölprodukten könnte durch die Freigabe ebenfalls verringert werden. Denn von der Menge, die insgesamt freigegeben werden soll, entfallen 125 Mio. Barrel auf Ölprodukte. Es bleibt jedoch fraglich, ob dies einen vergleichbaren preisdämpfenden Effekt wie vor vier Jahren haben wird, als das russische Öl letztlich umgeleitet wurde und andere Abnehmer fand. Zudem sind die Regionen unterschiedlich von den aktuellen Angebotsausfällen betroffen. Die USA und Europa bezogen im letzten Jahr vergleichsweise geringe Mengen Rohöl aus dem Mittleren Osten, die asiatischen Länder dagegen deutlich mehr. Im Januar betrugen die Ölvorräte der OECD-Länder laut IEA mehr als 4 Mrd. Barrel. Theoretisch könnte diese Menge den Wegfall der Öllieferungen aus dem Mittleren Osten etwa neun Monate ausgleichen.

Dauer des Irankriegs als Schlüssel für Ölpreisprognose

Wichtigste Determinante für den Ölpreis ist damit zweifellos die Länge des Kriegsgeschehens im Mittleren Osten und damit einhergehend die Dauer der Blockade des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Aktuell wurde ein 2-wöchiger Waffenstillstand vereinbart, währenddessen auch die Meerenge wieder passierbar sein soll. Die Ölpreise gaben daraufhin kräftig nach. Wir gehen in unserem Hauptszenario davon aus, dass der Krieg im Mai endet. Dann dürfte der Brentölpreis bis zum Ende des zweiten Quartals auf 90 USD fallen. Selbst wenn sich die Schifffahrt durch die Straße von Hormus normalisiert, ist zu befürchten, dass die Ölproduktion in der Region wegen längerer Anlaufzeiten in der Ölförderung und Schäden an den Förderanlagen erst zögerlich wieder aufgenommen werden kann. Für auch nach Kriegsende höhere Ölpreise als bislang erwartet spricht auch, dass die Lagerbestände deutlich niedriger sein werden. Wir rechnen daher mit einem Brentölpreis von 80 USD am Jahresende. Das gilt noch einmal mehr für die Preise bei Mitteldestillaten, weil hier die Schäden in den Raffinerien noch zusätzlich belasten. Der Dieselpreis dürfte zur Jahresmitte noch immer bei 1.100 USD je Tonne liegen und bis zum Jahresende auf 850 USD je Tonne fallen.

Quelle: Commerzbank Research 08.04.2026

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