Internationaler Zahlungsverkehr, Vertrauen und Transparenz sind die nächsten Ziele für grenzüberschreitende Zahlungen
Grenzüberschreitende Zahlungen werden immer schneller – doch wird ein gutes Kundenerlebnis nicht allein durch Geschwindigkeit bestimmt.
Grenzüberschreitende Zahlungen sind in den letzten zehn Jahren deutlich schneller geworden. Heute erreichen mehr als 90 Prozent der Zahlungen über SWIFT die Empfängerbank innerhalb einer Stunde – 75 Prozent treffen bereits innerhalb von zehn Minuten ein. Allerdings ist die schnelle Zahlungsabwicklung für Firmenkunden nur ein Aspekt einer positiven Kundenerfahrung. Simone Löfgen, Global Head of Payment Platforms bei der Commerzbank, erläutert, warum Vertrauen und Transparenz so wichtig sind.
Unternehmen müssen auch wissen, wo sich ihr Geld befindet, wann die Zahlung eingeht und dass sie den vorgesehenen Empfänger sicher erreicht. Obwohl Tools wie SWIFT GPI die Transparenz im Zahlungsverkehr bereits erheblich verbessert haben, liegt noch ein weiter Weg vor uns, bis grenzüberschreitende Zahlungen durchgängig das Serviceniveau bieten, das Kunden heute von anderen digitalen Dienstleistungen erwarten.
Wer grenzüberschreitende Zahlungen weiter verbessern will, sollte den Prozess daher nicht unbedingt stärker beschleunigen, sondern transparenter, berechenbarer und vertrauenswürdiger gestalten.
Dieses Ziel ist in der G20-Roadmap für die Verbesserung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs verankert, die seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 2020 gewissermaßen als Leitfaden für die Branche dient und vier zentrale Bereiche für Optimierungen nennt: Kosten, Geschwindigkeit, Zugang und Transparenz – zusammengenommen sind dies wesentliche Bestandteile eines besseren Kundenerlebnisses.
Und je vielfältiger die Möglichkeiten des Geldtransfers werden, desto schwieriger wird es, Kunden einen qualitativ hochwertigen Service zu bieten. Das Vertrauen wird zunehmend davon abhängen, dass Banken diese Komplexität hinter den Kulissen bewältigen und ihren Kunden zugleich ein einfaches und einheitliches Kundenerlebnis bieten können.
Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind im digitalen Zeitalter ein Muss
Die Erwartungen der Kunden haben sich grundlegend verändert. Die Gründe hierfür sind nachvollziehbar. Unternehmen können internationale Sendungen in jeder Phase der Lieferkette verfolgen, und wenn Angestellte nach Hause kommen, verfolgen sie sogar ihre privaten Lebensmittellieferungen. Anders ist es bei internationalen Überweisungen: Hier haben Kunden nach wie vor nur einen begrenzten Einblick, wo sich ihr Geld gerade befindet oder wann es ankommen wird.
Die Zahlungsverkehrsbranche sollte sich nun darauf konzentrieren, Kunden dieselbe Sicherheit und Transparenz in Bezug auf ihre Zahlungen zu bieten. Dies sollte auch für die Kosten gelten. Kunden wollen im Voraus wissen, wie viel eine Zahlung kostet – einschließlich etwaiger Gebühren und Umrechnungsentgelte – und wie viel Geld der Empfänger letztendlich erhält.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Zum einen treffen Kunden fundiertere Entscheidungen, wenn sie die Kosten verschiedener Anbieter oder Banken miteinander vergleichen können, und zum anderen sorgt die Rückverfolgbarkeit von Zahlungen für das nötige Vertrauen.
Fintech-Anbieter haben die Erwartungen an das Kundenerlebnis gesteigert. Dabei gilt: Fintech-Plattformen sind nicht attraktiv, weil sie immer am günstigsten sind. Vielmehr haben viele dieser Anbieter Zahlungsprozesse vereinfacht und transparenter gestaltet, sodass Kunden mehr Sicherheit im Hinblick auf Kosten, Zahlungsstatus und Transaktionsvollzug haben. So ist Vertrauen entstanden, für das Kunden bereit sind zu zahlen.
Für Finanzinstitute hat dieses Vertrauen noch eine weitere wichtige Dimension: Sicherheit. Da Zahlungen immer schneller und unmittelbarer erfolgen, nehmen auch die Risiken durch Betrug und Cyberkriminalität zu. Damit gewinnt die (Ausfall-)Sicherheit der zugrunde liegenden Zahlungssysteme an Bedeutung.
Trotz der Fortschritte in den letzten Jahren bestehen weiterhin erhebliche Hürden
In den letzten Jahren wurden bedeutende Fortschritte auf dem Weg zu transparenteren und berechenbareren grenzüberschreitenden Zahlungen erzielt. Die Norm ISO-20022 bildet dabei eine wichtige Grundlage. Sie sorgt für umfangreichere, besser strukturierte Daten und damit für mehr Transparenz, Automatisierung und Interoperabilität zwischen den Zahlungssystemen.
SWIFT GPI zeigt, was „mehr Transparenz“ in der Praxis bedeuten kann. Dank der nur einmal vergebenen, für den gesamten Prozess geltenden Transaktionsreferenz (UETR) lassen sich Zahlungen über das gesamte Korrespondenzbankennetz hinweg nachverfolgen. Kunden behalten so einen besseren Überblick über den aktuellen Status einer Zahlung und wissen, wann sie abgeschlossen wurde.
Das Tracking einer Zahlung ist jedoch nur ein Teil des Ganzen. Kunden müssen sich außerdem darauf verlassen können, dass die Zahlung zum erwarteten Zeitpunkt und zu den vereinbarten Bedingungen erfolgt. Die „letzte Meile“ bleibt dabei ein Problem: Selbst wenn der internationale Teil einer Zahlung zügig abgewickelt wird, können inländische Clearingregelungen, eine veraltete Infrastruktur für die Stapelverarbeitung oder Compliance-Prozesse die endgültige Auszahlung verzögern.
Eine Reihe von Initiativen zielt darauf ab, die durchgängige Verarbeitung berechenbarer zu gestalten. One-Leg-Out-Modelle können die Vorteile inländischer Echtzeitüberweisungssysteme für eine Komponente einer grenzüberschreitenden Transaktion nutzen. Gleichzeitig werden bilaterale und multilaterale Initiativen entwickelt, um inländische Systeme grenzüberschreitend miteinander zu vernetzen.
„SWIFT Scheme“, das neue SWIFT-System für grenzüberschreitende Zahlungen, geht dieselbe Herausforderung aus einer anderen Perspektive an. Einheitliche Regeln und Servicestandards, etwa hinsichtlich Gebühren, Währungsumrechnung, Transaktionsverfolgung und vollständiger Auszahlung, sollen nicht nur die Zahlungsabwicklung beschleunigen, sondern Transaktionen für Kunden insgesamt einheitlicher und berechenbarer machen.
Neue Zahlungssysteme erhöhen die Komplexität
Ungeachtet dieser Fortschritte zeigt die jüngste Fortschrittsbewertung der G20-Roadmap vom April 2026, dass zufriedenstellende weltweite Verbesserungen innerhalb des ursprünglichen Zeitplans der Roadmap bis 2027 wohl kaum zu erreichen sein werden. Deshalb ist es für führende Finanzinstitute umso wichtiger, proaktiv gemeinsame und pragmatische Übergangslösungen zu entwickeln, die diese systemischen Lücken für ihre Kunden bereits heute schließen.
Ein Teil der Herausforderung besteht darin, dass die Verbesserung der zugrunde liegenden Infrastruktur nicht automatisch zu Veränderungen bei den Kunden führt. Die Zahlungsinfrastruktur von Unternehmen ist oft komplex und schwer anzupassen. So arbeiten viele große multinationale Konzerne mit mehreren ERP- und Altsystemen, während anderen Unternehmen die IT-Ressourcen fehlen, um Veränderungen umzusetzen. In beiden Fällen steht die Modernisierung der Zahlungsinfrastruktur möglicherweise nicht ganz oben auf der Agenda für Investitionen, wenn die bestehenden Prozesse noch funktionieren. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die Einführung von Standards wie ISO 20022 eher eine Evolution als eine Revolution ist. Finanzinstitute müssen ihren Kunden daher einen konkreten geschäftlichen Nutzen für Veränderungen aufzeigen – sei es durch verbessertes Liquiditätsmanagement, niedrigere operative Kosten oder insgesamt bessere Zahlungsverkehrsprozesse.
Gleichzeitig wird die Zahlungsverkehrslandschaft selbst immer komplexer. Es ist unwahrscheinlich, dass ein einziges universelles System den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in Zukunft dominieren wird. Dies gilt insbesondere für unterversorgte Märkte, wo der Risikoabbau durch Banken (De-Risking) das Netzwerk von Korrespondenzbankbeziehungen reduziert hat. Regulierte Stablecoins, tokenisiertes Geschäftsbankgeld (Giralgeld) und digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) könnten Alternativen bieten, wenn die traditionelle Infrastruktur noch nicht ausgereift ist. Neuere Zahlungssysteme unterstreichen, wie wichtig Vertrauen und Transparenz sind. Denn diese Systeme können den Zugang nicht einfach durch niedrigere Sicherheits- und Compliance-Standards erleichtern – sie müssen sich nahtlos in die etablierten globalen Regulierungsstandards integrieren.
Je nach Markt, Transaktionsart und Kundenbedarf können das traditionelle Korrespondenzbankenmodell, Echtzeitüberweisungsnetzwerke und neue Formen des digitalen Geldes nebeneinanderstehen.
Für Unternehmen sollte eine größere Auswahl jedoch nicht mit höherer Komplexität einhergehen. Kunden sollten nicht die Feinheiten jedes einzelnen zugrunde liegenden Systems verstehen müssen, um eine Zahlung auslösen zu können. Entscheidend ist ein einheitliches Erlebnis, bei dem sie dasselbe Maß an Vertrauen in die Sicherheit, Transparenz und Abwicklung haben – unabhängig davon, auf welchem Weg die Zahlung letztendlich erfolgt.
Die Rolle der Banken: Komplexität bewältigen und den Zahlungsvorgang hinter den Kulissen koordinieren
Die Funktion von Finanzinstituten dürfte sich hin zu einer vertrauenswürdigen Orchestrierung entwickeln. Da die Zahl der verfügbaren Zahlungssysteme zunimmt, sollten Banken die damit verbundene Komplexität hinter den Kulissen bewältigen. Kunden sollten Zahlungen über den für sie bequemsten Kanal veranlassen können – sei es über eine programmierbare Schnittstelle (API), über Onlinebanking oder eine mobile App.
Zahlungen könnten in naher Zukunft sogar von KI-Agenten angestoßen werden, die innerhalb streng geregelter, sicherer Parameter operieren. Als vertrauenswürdiger Koordinator verbindet die Bank diese automatisierten Frontends mit robusten Risikorahmenwerken. Sie bewertet die verfügbaren Netzwerke und die Kundenbedürfnisse, wählt darauf basierend die geeignetste Route aus und stellt sicher, dass die Zahlung während des gesamten Prozesses sicher und transparent bleibt.
Aus Unternehmenssicht sind grenzüberschreitende Zahlungsströme heute mit Güterzügen vergleichbar: zuverlässig, aber anfällig für Verspätungen. In Zukunft könnten Zahlungen jedoch eher dem Verkehr auf der Autobahn ähneln: schnell und nahtlos über Grenzen hinweg. Banken spielen eine entscheidende Rolle dabei, damit diese reibungsloseren Abläufe Wirklichkeit werden.
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